Die Geschichte Sardiniens ist spannend. Und viele stumme Zeitzeugen sind noch übrig. Man kann sie überall bewundern. Die Berge des Monte Arci mit ihren Vorkommen an Obsidian, die Städte der Phönizier oder 5.000 Jahre alte Felsengräber – es ist alles noch da. Gut erklärt wird die Entwicklung leicht verständlich.

Geboren aus Obsidian

Die Geschichte Sardiniens reicht weit zurück. Bis zu 150.000 Jahre alte menschliche Überreste wurden gefunden. Knochen belegen die Besiedlung der Insel schon im Jahr 9.000 vor Christus ganz eindeutig. Die Bewohner fanden günstige Bedingungen vor: Der Obsidian aus dem Gebirgszug des Monte Arci bot die Möglichkeit, hervorragende Werkzeuge zu fertigen. Das in Europa seltene Gesteinsglas mit scharfen Kanten wurde etwa benutzt, um Felsengräber aus dem Gestein zu kratzen. Das bearbeitete Gestein war im Vergleich zum Obsidian leicht zu bearbeiten. Darüber hinaus diente der Obsidian als Feuerstein und war damit ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Noch heute gibt es den Obsidian in diesem Gebirgszug. Mehr dazu findet sich bei den Informationen rund um Gebirge auf Sardinien.

Neolithische Phase und Nuraghenkultur

Etwa seit dem Jahr 6.000 vor Christus wurde das Bild auf der Insel von verschiedenen Kulturen geprägt; man spricht in diesem Zusammenhang von der neolithischen Phase. Herausragend ist dabei die Nuraghenkultur, die sich etwa 1.600 vor Christus gegenüber anderen Kulturen durchsetzte. Deren Spuren sind noch immer sehr gegenwärtig: Überall auf Sardinien finden sich Nuraghen, die turmartigen Gebäude dieser Kultur.Der Name “Nuraghe” wurde von den Römern zu viel späterem Zeitpunkt geprägt, die die markanten Bauwerke auf Sardinien vorfanden.

Zeugnisse der Kulturen aus der neolithischen Zeit finden sich in zahlreichen Gigantengräbern, Felsengräbern (Domus de Janas), heiligen Brunnen, Menhiren (unbearbeitete, längliche und aufgestellte Steine) oder auch in Steinkreisen. In dieser Zeit kam auch die Viehhaltung und die Landwirtschaft nach Sardinien. Das belegen diverse Funde wie Mörser, Getreidemühlen, Statuen oder Überreste von Haustieren.

Handel oder zumindest der Transport von Rohstoffen muss ebenfalls bereits sehr früh stattgefunden haben, denn der verwendete Obsidian des Monte Arci wurde auch an anderen Orten rund um das Mittelmeer gefunden. Mehr zu den wichtigsten Fundstätten, zu Nuraghen und Felsengräbern lest Ihr im Beitrag rund um Historische Orte und Grabungsstätten auf Sardinien. Sie können auch in großer Zahl auf Sardinien besichtigt werden – teilweise in noch sehr gutem Zustand.

Phönizier und Punier auf Sardinien

Die Phönizier waren ein Volk, das entlang der Nordafrikanischen Küste im heutigen Syrien, Tuniesien und im Libanon lebte und dort eine bedeutende Vormachtsstellung hatte. Die Phönizier waren Seefahrer, Händler und auch hervorragende Handwerker. Eines Ihrer Machtzentren war Karthago, das an der tunesischen Küste liegt. Nur rund 100 Kilometer ist Karthago von Sardinien entfernt. Nicht weiter erstaunlich also, dass die Phönizier auf Sardinien Fuß fassten. Die phönizische Zeit dauerte vom 9 Jahrhundert bis etwa 550 vor Christus. Der Handel blühte schon zu dieser Zeit und die Phönizier gründeten Nora und Tharros sowie andere Orte, die heute als Ruinenstädte besichtigt werden können. Zu den historischen Orten und Grabungen Sardiniens.

Es folge die punische Phase, die dann im 3. Jahrhundert vor Christus endete. Ob es zu Zeiten der Phönizier oder Punier Kämpfe gegen die Nuraghenkultur gab, ist unklar. Die Griechen versuchten in der punischen Phase, Sardinien zu erobern – es gelang ihnen nicht. Sie wurden 540 v. Chr. In der Seeschlacht von Alalia geschlagen. Die Nuraghenkultur verschmolz zwar mit der punischen Kultur, dennoch blieben aber im Landesinneren sardische Gebiete erhalten. Die punische Kultur blieb auf Sardinien letzlich länger erhalten, als in Karthago, das im im Jahr 146 v. Chr zerstört wurde.

Ab dem Jahr 238 v. Chr. Übernahmen die Römer die Herrschaft. Da passierte infolge von Aufständen in Nordafrika, die auch zu Meutereien der auf Sardinien stationierten Truppen führte. Nach den Römern folgten die Vandalen vom Jahr 455 bis 534, darauf folgten Byzantiner. Mit der Byzantinischen Herrschaft war es im Jahr 832 vorbei, nachdem ständige Überfälle und Besetzungen durch Araber voran gegangen waren.

Italiener, Spanier, Aragonesen, Österreicher – Bewegte Zeiten

Die Insel war nun isoliert und wehrte sich unter der Herrschaft von vier Feudalherren mit vier unabhängigen Staaten (Giudicati) bis zum Jahr 1015 erfolgreich gegen die arabischen Übergriffe. Dann aber erorberte Mudschahid von Dénia weite Teile der Küste. Die italienischen Küstenstädte fühlten sich durch die militärische Präsenz der Araber bedroht. Die Seemächste Pisa und Genua verdrängten deshalb Mudschahid wieder von der Insel. Das hatte seinen Preis: Sardinien wurde zum Lehen Pisas, der Norden wurde von Genua beherrscht.

Es folge im Zuge europäischer Kriege und Erbfolgen eine bewegte Geschichte mit allerlei unterschiedlichen Herren auf der Insel. Unter anderem wurde dabei die einheimische Bevölkerung aus Alghero vertrieben und durch katalanische Siedler ersetzt. Noch heute spricht man dort katalanisch und auch die Architektur erinnert stark an Spanien. Auch die Habsburger waren einst Herrscher, in der sardischen Sprache existieren deshalb noch heute Begriffe, die an die deutsche Sprache erinnern.

Sardinien heute

Erst im Jahr 1946 wurde Sardinien autonom. Bewaffnete Rebellionen für eine vollständige Unabhängigkeit gab es allerdings bis zum Jahr 1982. Noch heute betrachten sich Sarden als eine unabhängige Volksgruppe, die italienische Regierung ist nicht beliebt auf der Insel. Die Geschichte Sardiniens und die ursprüngliche Nuraghenkultur sowie zahlreiche andere noch existierende Bauwerke verdeutlichen diese Eigenständigkeit eines Volksstammes, der mit Italien bis zum Jahr 1015 nichts gemeinsam hatte und auch in den folgenden Jahrhunderten nie italienisch blieb, sondern zu unterschiedlichen Ländern gehörte.

quattro-mori

Die Flagge Sardiniens, die vier Mauren oder Araber zeigt (die Flagge wird auch „Quattro Mori“ gennant – vier Mohren), ist Symbol für die komplett autonome Zeit der Insel mit den vier Guidicati, die Sardinien zu verteidigen wussten und in der Sardinien komplett eigenständig war. Obwohl die Flagge definitiv später von den Aragonesen (eine weitere Besetzungsmacht) eingeführt wurde – vermutlich auch aufgrund der erfolgreichen Verteidigung gegen die Mauren bzw. Araber – ist die Symbolik kaum zu übersehen und in den Köpfen der sardischen Bevölkerung fest verankert.




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